Agenda Glas hat Insolvenz angemeldet.

| Ein Jahr nach dem Produktionsstart hat die Agenda Glas AG mit Sitz in Gardelegen (Altmarkkreis Salzwedel) Insolvenz angemeldet. Als Grund für die finanzielle Schieflage nannte der vom Amtsgericht Stendal als Insolvenzverwalter beauftragte Fachanwalt Lucas Flöther technische Anlaufschwierigkeiten. Diese hätten im ersten Produktionsjahr zu einer zu hohen Ausschussquote geführt, so Flöther.

Für 2010 fiel der Umsatz dadurch mit rund zehn Millionen Euro nur halb so hoch aus wie erwartet. Jedoch sei es realistisch, dass der Umsatz in diesem Jahr auf rund 20 Millionen Euro steigen werde. "Die Auftragsbücher sind voll und Fortschritte sind erkennbar. Es ist bloß ein langer Atem nötig", sagte der Fachanwalt. So seien die Lohnzahlungen für die mehr als 150 Mitarbeiter bis Ende April gesichert. Auch danach müsse man nicht mit Entlassungen rechnen, so Flöther weiter.

"Das vorrangige Ziel ist es nun, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren", erklärte der Anwalt. Neben der Sanierung über einen Insolvenzplan bestehe ebenfalls die Möglichkeit, einen neuen Investor ins Boot zu holen. Auch das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt hat seine Hilfe zugesagt. "Wenn die technologischen Probleme gelöst sind, werden wir den Insolvenzverwalter bei der Entwicklung des Fortsetzungs- oder Übernahmekonzepts durch potenzielle Investoren unterstützen", sagte Sprecherin Petra Penning. Zudem hätten die Schwierigkeiten des Unternehmens nichts mit der Marktlage der Glasbranche vor Ort zu tun, so Penning weiter.

Agenda Glas war im Jahr 2008 gegründet worden. Zum Start der Produktion im Februar vergangenen Jahres hatte das Unternehmen angekündigt, 90 000 Tonnen Glas zu 300 Millionen Flaschen und anderen Getränkebehältern verarbeiten zu wollen. Die dazu benötigten Rohstoffe wie Soda, Kalk und Dolomit kommen hauptsächlich aus der Region. Die damaligen Investitionskosten beliefen sich auf rund 50 Millionen Euro. Etwa ein Fünftel der Summe wurde aus Fördermitteln des Landes Sachsen-Anhalt bezahlt.

Die Region ist für seine Glasproduktion bekannt. Rund ein Drittel des in Deutschland produzierten Flachglases kommt aus Sachsen-Anhalt. Abnehmer ist unter anderem die Solarindustrie. Jedoch hatte die Branche in den letzten Jahren mit Problemen zu kämpfen: 2009 kam es in Folge der Wirtschaftskrise zu Umsatzeinbrüchen. Doch mittlerweile hat sich die Situation wieder gebessert. "Die Marktlage stellt sich derzeit stabil bis wachsend dar", erklärte die Pressesprecherin des Wirtschaftsministeriums.