Annaburger Porzellan stellt Insolvenzantrag

| Der vorläufige Verwalter der Annaburger Porzellan GmbH, Flöther & Wissing Insolvenzverwaltung, nimmt die Arbeit auf. Es wird geprüft, wie es für das Unternehmen weitergehen kann.

Eine Hiobsbotschaft erreichte die MZ-Redaktion aus Annaburg. Die Annaburg Porzellan GmbH steht unter vorläufiger Verwaltung der Flöther & Wissing Insolvenzverwaltung in Halle. Das Insolvenzverfahren sei aber noch nicht eröffnet, betonte Prof. Dr. Lucas Flöther, Rechtsanwalt für Insolvenzrecht, der sich des Unternehmens angenommen hat. Gegenwärtig gehe es darum, die Ursachen der wirtschaftlichen Schieflage zu finden und dabei zu prüfen, wie es für die Annaburg Porzellan GmbH weitergehen kann, ergänzte er im Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung.

Produktion geht weiter
Zu diesem Zweck werden neben anderem auch Gespräche mit Kunden und Lieferanten geführt. Vor der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens sei dies gängige Praxis. Die Löhne und Gehälter der mehr als 60 Mitarbeiter seien laut seiner Aussage zumindest für die kommenden drei Monate gesichert. Auch über mögliche Entlassungen sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts entschieden. Auf den Produktionsablauf habe das Prüfverfahren keinen Einfluss. Eingehende Aufträge werden wie gehabt abgearbeitet, sagte Flöther, der in engem Kontakt mit Inhaber und Geschäftsführer Peter Ploss alle anstehenden Entscheidungen treffe. Ploss selbst bestätigte der MZ den Gang zum Insolvenzgericht, wollte sich inhaltlich aber nicht weiter dazu äußern. Die Zukunft für das Werk zu gestalten, sei keine leichte Aufgabe, betonte Flöther. Zumal sich die gesamte Porzellanbranche im Umbruch befinde. „Selbst namhafte Unternehmen dieses Wirtschaftszweiges haben aktuell ihre Schwierigkeiten“, fügte er an. Gleichwohl gibt er sich kämpferisch, für die Annaburger eine optimale Lösung zu finden.

Noch vor einem Jahr arbeiteten rund 75 Beschäftigte in dem Traditionsunternehmen. Vor 23 Jahren übernahm der Bayer Peter Ploss als geschäftsführender Gesellschafter den Betrieb von der damaligen Treuhandanstalt. Zuvor firmierte er als VEB Sintolanwerk Annaburg als Teil eines Kombinates, zu dem außerdem die Porzellanwerke in Colditz und Kahla gehörten. Das Unternehmen ging damit als produzierender Betrieb aus dem Volkseigentum in den neuen privatrechtlichen Besitzstand über.
Anfänge als Steingutfabrik

Doch die Geschichte der heutigen Annaburg Porzellan GmbH reicht weit zurück, bis ins Jahr 1874. Seinerzeit wurde der Grundstein für die Steingutfabrik gelegt. Unter der Ägide von Peter Ploss und seiner Familie änderte sich nicht nur der Produktionsinhalt. Er stellte sie vom zu DDR-Zeiten bekannten Grundstoff Sintolan auf Porzellan um. Sintolan war ein Halbporzellan, das allerdings in Form von Tellern, Tassen, Platten, Schüsseln und vielem mehr bis 1989 in 28 Länder der Erde exportiert wurde. Das berichtete vor einigen Jahren der Annaburger Ortschronist Edwin Kretzschmann. Mit seiner neuen Porzellanproduktion fand das Unternehmen seit den 1990er Jahren Platz am Markt vor allem in Nischen. Durch seine Ausrichtung auf Flexibilität zeigte es sich prädestiniert vor allen für Klein- und mittlere Serienproduktion. „Natürlich würden wir uns auch über Großaufträge freuen“, meinte vor Jahresfrist Michael Ploss. Der Sohn des Gründers der Annaburg Porzellan GmbH wirkte zwischenzeitlich als deren Geschäftsführer, verließ den Betrieb jedoch in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres.

Kreuzfahrtschiffe ausgestattet
Noch vor einem Jahr hatte die MZ nach einer Visite im Betrieb berichten können, dass Restaurants mehrerer Kreuzfahrtschiffe mit dem Annaburger Porzellan ausgerüstet würden und die Musterherstellung für weitere Schiffsaufträge laufe. Das betreffe, so Ploss jr. seinerzeit, „Mein Schiff“ 1 bis 3. Und für das vor einem Jahr noch im Bau befindliche „Mein Schiff 4“ liefen die Vorbereitungen zur Ausstattung des Steakrestaurants. Das Schiff soll ab Sommer auf Fahrt gehen. (mz)