Cemag-Nachfolger CMP stellt Insolvenzantrag

| 14.02.2012 | Dessau-Roßlau: 2010 hatte Sachsen-Anhalts Investitionsbank eine umstrittene Starthilfe in Millionen-Höhe gegeben. Genutzt hat das offenbar nichts: Die CMP AG, ein Zementanlagenbauer mit Sitz auf dem Dessauer Flugplatzgelände und einem Außenstand im niedersächsischen Hameln, hat am Montag beim Amtsgericht Dessau-Roßlau einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind 60 Mitarbeiter.

Die CMP AG hatte im Herbst 2009 die Geschäfte der insolventen Cemag-Gruppe übernommen. Das schnell gewachsene und mit Preisen überhäufte Zementanlagenbau-Imperium von Ali Memari Fard war zuvor in finanzielle Schwierigkeiten geraten. 600 Arbeitsplätze standen auf dem Spiel, 120 davon in Dessau, wo die Cemag 2001 die lange Zementanlagenbau-Tradition aufgegriffen hatte. Der Neustart wurde kritisch beäugt, weil vor allem die Rolle des einstigen Firmengründers Ali Memari Fard unklar blieb und immer wieder Familienmitglieder oder einstige Mitarbeiter an wichtigen Stellen auftauchten. In Dessau war zuletzt der Fard-Vertraute Mohammad Shahsavar als CMP-Vorstandsvorsitzender tätig.

Das Land Niedersachsen hatte 2010 eine Bürgschaft in Höhe von 1,5 Millionen Euro abgelehnt. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt nicht. Sogar von 2,8 Millionen Euro war damals die Rede. Im Gegenzug verlegte die CMP AG ihren Hauptsitz nach Dessau. Die Bank äußerte sich Mittwoch nicht zu dem Vorgang. Wie schon im April 2010 berief sich die Magdeburger Bank auf das Bankgeheimnis.

Vorläufiger Insolvenzverwalter der CMP ist der Magdeburger Rechtsanwalt Lucas Flöther, der in gleicher Funktion seit Ende Dezember auch bei der Dessauer AD Steel Forge tätig ist.

“Am Montag gab es eine Betriebsversammlung bei CMP”, bestätigte Flöther, der sich zuversichtlich zeigte, die Arbeitsplätze retten zu können. “Der Geschäftsbetrieb wird uneingeschränkt fortgesetzt.” Die Löhne seien zuletzt für den Monat Dezember gezahlt worden. Das dreimonatige Insolvenzausfallgeld sichert nun die Zahlung bis Ende März.

Als Grund für die Zahlungsunfähigkeit nannte Flöther Schwierigkeiten bei der Abwicklung von Geschäften mit dem Iran und Syrien. “Da gibt es Außenstände in Größenordnungen. Die Umsätze gingen seit Monaten gen Null.” Mit den Gläubigern seien Gespräche über eine Restrukturierung des Unternehmens gescheitert.

Was die Insolvenz für die Investitionsbank Sachsen-Anhalt bedeutet , ist offen. “Es kommt darauf an, welche Gelder noch reinkommen”, sagte Flöther. Nach MZ-Information soll zumindest eine erstrangige Grundschuld auf die Immobilie eingetragen sein.