Der Insolvenzverwalter ist kein Bestatter

| Der Haushaltsdiscounter Mäc-Geiz gehörte zu den jüngsten Fällen von Rechtsanwalt Lucas F. Flöther aus Halle. Wie so oft, wenn ein Unternehmen in Mitteldeutschland Insolvenz beantragt, ging bei ihm der Anruf vom zuständigen Amtsgericht ein. «Dann ist Eile geboten», sagt der 36-Jährige. «Denn mein oberstes Ziel bei einem Insolvenzverfahren ist immer die Rettung des Unternehmens.» Dies gelang ihm auch bei Mäc-Geiz. Die Firma mit bundesweit 184 Filialen wurde von der österreichischen MTH Handelsholding übernommen. Alle 1700 Arbeitsplätze blieben erhalten.
Zu den Firmen, die der Fachanwalt aus der Insolvenz führte, gehören auch der Autozulieferer WMS Flocktechnik Wolmirstedt (Börde), der größte Obstanbauer Sachsen-Anhalts am Süßen See in Eisleben, die Schiffsbau- und Entwicklungsgesellschaft Tangermünde, die zwei Binnenwerften betreibt, die Metallveredlung Wernigerode und die Leipziger Löwenbäckerei.
Bundesweit bekannt wurde Flöther, dessen Kanzlei Standorte unter anderem in Leipzig, Halle und Magdeburg unterhält, als ihm 2006 das Verfahren für die Leipziger Wohnungsbaugesellschaft West übertragen wurde. Es war einer der größten Anlegerskandale in Deutschland, bei dem mehr als 38 000 Anleger um mehrere hundert Millionen Euro geprellt wurden. «Binnen 14 Tagen mussten alle Gläubiger informiert und aufgefordert werden, ihre Ansprüche anzumelden», erinnert sich der Anwalt. Zunächst konnte er den Anlegern nahezu keine Aussichten auf Rückerstattung von Geld machen, doch mittlerweile könnten es etwa zehn Prozent werden.
«Geduld, Ausdauer und mitunter Detektivsinn sind notwendig für die Arbeit eines Insolvenzverwalters», sagt Flöther, der seine Kanzlei nunmehr seit zehn Jahren betreibt und mittlerweile von fünf Gerichten in Ostdeutschland sowie in Mannheim, Heidelberg und Darmstadt bestellt wird. Bereits in seinem Studium der Rechtswissenschaften an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg setzte der gebürtige Leipziger auf Insolvenzrecht. «Es gibt nichts Spannenderes für mich.» Das versuche er auch seinen Studenten zu vermitteln, denen er an der Universität Halle Vorlesungen in Insolvenzrecht anbietet.
«Insolvenz hat immer noch etwas anrüchiges in Deutschland», sagt Flöther. Dabei könne sie ein echter Neuanfang sein. «Wenn rechtzeitig Insolvenz angemeldet wird, ist fast immer eine Rettung möglich.» Das neue Insolvenzrecht, das seit 1999 gilt, stelle stärker die Sanierung eines Unternehmens in den Vordergrund. «Insolvenzverwalter tun längst mehr, als abzuwickeln oder zu bestatten». Die wichtigsten Ursachen für eine Pleite in Ostdeutschland seien Managerfehler, Forderungsausfälle und oft fehlendes Eigenkapital. «Die Unternehmen hier haben zu wenig Speck auf den Rippen, von dem sie in Krisen zehren können.»
Nach den Worten von Flöther ist Insolvenzverwaltung längst keine «Ein-Mann-Schau». So sind in seiner Kanzlei mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt, darunter nicht nur Juristen, sondern auch Steuerberater und Kaufleute. «Allein könnte ich das alles nicht schaffen», sagt Flöther. Sein größtes Ziel bei einer angemeldeten Insolvenz ist: «Die Braut schön zu machen für den Verkauf».