Die Analyse - Geringe Wertschöpfung macht Mifa zu schaffen

| Weil die Produktion in Deutschland teuer ist, stehen die Rettungschancen für die Mifa in Sangerhausen eher schlecht.

Die Leidensgeschichte der Mifa zieht sich mittlerweile über mehrere Jahre. 2014 musste die Firma Insolvenz anmelden, weil sich die damalige Geschäftsführung schwere Managementfehler geleistet hatte. Ein Stück weit litt das Unternehmen aber schon zu diesem Zeitpunkt unter seiner geringen Wertschöpfung.

Herkömmliche Fahrräder zu produzieren, lohnt sich in einem Land wie Deutschland kaum. Wettbewerber in Asien können zu weitaus günstigeren Personalkosten Räder fertigen und nach Deutschland exportieren. Insofern hatte es Insolvenzverwalter Lucas Flöther seinerzeit auch schon schwer, Investoren zu finden. Mit Heinrich von Nathusius hatte er dann einen erfolgreichen Unternehmer gewonnen, der die Mifa nicht allein aus geschäftlichen, sondern ebenso aus lokalpatriotischen Gründen übernahm.

Offenbar wusste von Nathusius auch, dass die Fahrradwerke dauerhaft nur dann erfolgreich sein würden, wenn es gelingt, hochwertige Räder zu entwickeln und zu fertigen. So kündigte er etwa an, moderne Elektrofahrräder auf den Markt zu bringen. Auch wollte er die Produktion optimieren, weshalb er in Sangerhausen ein neues Werk für 17 Millionen Euro bauen ließ.

Streit in der Familie
Nur offensichtlich hat die Neuaufstellung der Mifa zuletzt deutlich mehr Geld verschlungen, als er sich vorstellen konnte. Zuletzt geriet er deshalb auch mit seiner Familie verstärkt aneinander. Die sah es vermehrt kritisch, dass eine Million nach der anderen in die Fahrradwerke floss.

Nach der gescheiterten Sanierung in Eigenregie stellt sich nun die Frage, wie es weitergeht. Zwar erklärte Mifa-Geschäftsführer Joachim Voigt-Salus bereits, dass es erste Kontakte zu Investoren gebe. Beobachter sind bislang jedoch skeptisch, dass sie ernstes Interesse haben.

Nicht auszuschließen ist, dass die Familie von Nathusius doch noch einmal einspringt. Zwar hat sie zunächst den Geldhahn zugedreht. Doch würde eine Pleite der Mifa bedeuten, dass sie sämtliche Millionen-Investitionen abschreiben muss. Sie wird genau abwägen müssen, welcher Weg für sie günstiger erscheint.

Klar ist: Je länger die Hängepartie dauert, desto schwieriger wird eine Rettung. Noch stehen Aufträge für 100 000 Fahrräder in den Büchern. Wenn sich die Produktion aber weiter verzögert, steigt die Gefahr, dass die Kunden ihre Aufträge stornieren. Dann wären die Mifa wohl am Ende.