Harte Einschnitte bei Mifa

| Der Insolvenzverwalter verhandelt mit zwei Investoren, um den Radbauer zu retten. Doch zuvor müssen weitere Mitarbeiter gehen.

Lucas Flöther ist ein Mann für harte Fälle. Für die meisten Firmen des insolventen Reiseportals Unister hat er Käufer gefunden. Aktuell ist er dabei, den Fahrradhersteller Mifa zu retten. Zum zweiten Mal, denn schon vor zwei Jahren war der traditionsreiche Hersteller aus Sangerhausen insolvent. Damals hatte Flöther den Verkauf von Mifa an die Unternehmerfamilie von Nathusius eingefädelt. Doch diese war mit der Sanierung überfordert. Im Januar musste Mifa erneut Insolvenz anmelden. Um die Firma am Leben zu halten, hatte Insolvenzverwalter Flöther erst Anfang März die Mifa-Belegschaft im strukturschwachen Südharz von rund 520 auf etwa 250 kappen müssen. Am Montagmorgen überbrachte er den Mitarbeitern neue Hiobsbotschaften: Nur rund 130 können bleiben. Für Flöther die einzige Möglichkeit, den Fortbestand von Mifa zu sichern. Der erste Schock der Belegschaft wandelte sich in Wut. Die richtet sich jedoch nicht gegen Flöther. Die Mitarbeiter schätzen, dass der 43-Jährige offen kommuniziert – sind sie doch anderes gewöhnt.

Der Grund für den Kahlschlag: Ein neuer Großauftrag ist geplatzt, weil Geld für die nötigen Teile fehlt.  Umso mehr hofft Flöther auf neue Jobs unter dem neuen Eigentümer. Mit zwei Interessenten, die den Geschäftsbetrieb von Mifa übernehmen wollen, führt er Verhandlungen. Sie sollen im Frühjahr abgeschlossen sein. Über Details ist Verschwiegenheit vereinbart. Zu den Interessierten soll laut informierten Kreisen wieder Familie Nathusius gehören. Schließlich trägt sie zwei Drittel der Kosten für die Transfergesellschaft für die ersten 166 Entlassenen. Eine entsprechende Nachfrage des Handelsblatts blieb unbeantwortet. Der indische Radbauer Hero Cycles ist dagegen wohl nicht mehr im Gespräch. Stattdessen sei offenbar ein Investor interessiert, der Sangerhausen verstärkt zu einem E-Bike-Standort aufbauen wolle.