Insolvenz der Mifa AG in Sangerhausen- Auch Geschäftspartner bangen

| Die Insolvenz der Mifa AG in Sangerhausen erschüttert die Region. Von einem endgültigen Aus für den Fahrradbauer wären nicht nur die etwa 600 Mitarbeiter des Werkes selbst, sondern auch viele Geschäftspartner aus dem Landkreis betroffen, die zum Teil Jahren mit der Mifa zusammenarbeiten. Sie bangen mit um den Erhalt des Traditionswerks.
„Ein Ende der Fabrik würde uns schon schon erheblich tangieren“, sagt Eva Janzen, die mit ihrem Mann Ralf die Firma Hebe- und Fördertechnik in der Sangerhäuser Franz-Heymann-Straße betreibt. Unter anderem warten und reparieren die Janzens die Gabelstapler der Mifa. „Als größter Arbeitgeber der Region ist die Mifa auch einer unserer größten Geschäftspartner. Über mögliche Umsatzverluste will ich da lieber gar nicht nachdenken“, sagt die Geschäftsfrau.
Gewerbesteuer: Stadt würde Hunderttausende Euro verlieren
Bei einem Aus der Mifa würde die Stadt jährlich mehrere Hunderttausend Euro an Gewerbesteuer verlieren. Die Firma sei einer der größten Steuerzahler in Sangerhausen, hieß es aus der Stadtverwaltung. Aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage der Firma hatte es aber bereits für die Jahre 2011, 2012 und 2013 eine rückwirkende Korrektur der Steuer gegeben. Die Stadt verlor dadurch im Jahr 2014 über eine Million Euro, die fest eingeplant war.
Dass es bei der Mifa nicht gut läuft, habe man aber bereits in diesem Frühjahr gemerkt, als die Aufträge zurückgingen. „Wir haben auch einen Mitarbeiter entlassen müssen. Jetzt hoffen wir, dass die Mifa überlebt.“

Schwerer Schlag für die Unternehmen
Die selbe Hoffnung hat Volker Wilding, Geschäftsführer der Firma Kyffhäuser-Transport in Berga. „Ich bin aber optimistisch, dass es bei der Mifa weitergeht“, sagt er. Das Ende das Fahrradwerkes wäre ein schwerer Schlag für sein Unternehmen, sei aber nicht existenzbedrohend. „Wir sind zum Glück breit aufgestellt“, so Wilding. Die Spedition aus Berga übernimmt sämtliche Transportaufgaben für die Mifa. Unter anderem liefert sie Fahrräder an die Kunden aus. Wilding: „Wir haben das Ende der Drogeriekette Schlecker überlebt, für die wir mit 22 Lkw gefahren sind. Wir würden auch eine Pleite der Mifa überleben“, sagt der Geschäftsführer. Er glaube aber, dass der Betrieb beim Traditionshersteller fortgesetzt werden kann. Insgesamt fünf Lastzüge hat Wildings Spedition gegenwärtig für die Mifa im Einsatz.
Rüdiger Müller, Regionalleiter beim Bildungsträger GFM, hat über Jahre hinweg mit dem Fahrradbauer zusammengearbeitet, unter anderem bei der Lehrlingsausbildung. Diese war später von der Mifa übernommen worden. „Die Mifa ist ganz wichtig für die Region“, sagt Müller. Sie habe vielen Menschen, darunter auch gering Qualifizierten, eine Perspektive geboten. „Und wenn die Arbeit dort mitunter hart ist und die Löhne niedrig sind, arbeiten viele doch gern dort“, sagt Müller. Er sieht es wie viele andere: Die Alternative dazu wäre Arbeitslosigkeit.

In Sorge über die weitere Entwicklung ist ebenso die Fleischerei Schröter in Allstedt. Sie betreibt auf dem Werksgelände einen Kiosk mit Essensversorgung. Man habe die Mitarbeiterin dort zwar nur etwa eineinhalb Stunden pro Tag beschäftigen können, „da die Mifa-Leute nicht viel Geld haben“, wie Geschäftsführerin Antje Danner sagt. Es seien aber immerhin etwa 40 bis 50 Essen über die Ladentheke gegangen. „Zusätzlichen Umsatz, den wir gut gebrauchen können. Ich würde mich freuen, wenn er nicht wegbricht.“