Insolvenzverfahren für Jugendwerkstatt Bauhof wird bald eröffnet

| Am 6. März musste die Jugendwerkstatt Bauhof in Halle Insolvenz anmelden. Nachdem über Monate Projekt- und Fördermittel verschiedenster Geldgeber nicht rechtzeitig überwiesen wurden, konnten seit Januar keine Gehälter mehr gezahlt werden.

Inzwischen wurde Dr. Lucas Flöther als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Für die 54 Mitarbeitenden der Jugendhilfe-Sozialeinrichtung bedeutet das erst einmal, dass sie nun für drei Monate ihr Gehalt als Insolvenzgeld beziehen können –allerdings rückwirkend ab Januar. Zum Ende des Monats März wird das Insolvenzgericht das Verfahren eröffnen und einen Insolvenzverwalter regulär bestimmen. „Es ist eine Minute vor zwölf. Nach heutigem Stand der Dinge muss der Betrieb zum 1. April geschlossen werden. Die Mitarbeitenden erhalten dann eine Kündigung“, erklärt Flöther.
Hoffnung besteht für einzelne Projekte, für die regelmäßig die vereinbarten Mittel von Stadt, Land, Bund, Jobcenter oder Europäischem Sozialfond (ESF) fließen. Die Geschäftsführung der Jugendwerkstatt Bauhof und der Insolvenzverwalter hoffen, dass möglichst viele Projekte fortgesetzt werden können. Lucas Flöther: „Eine Betriebsschließung ließe sich sogar vermeiden, wenn noch ein kleines Wunder geschieht und sich bis Ende März ein neuer Träger für die Jugendwerkstatt Bauhof findet.“ Es fehlt nicht an Aufträgen und Leistungsvereinbarungen. Ursache der Insolvenz ist die fehlende Liquidität. So müssen zum Beispiel Gehälter regelmäßig vorgestreckt und dann später als Projektmittel abgefordert werden.

Derzeit summieren sich die Forderungen der Jugendwerkstatt Bauhof auf rund 300.000 Euro. Die Ursachen dieser Zahlungsverzögerungen der Öffentlichen Hand sind unterschiedlich: nicht genehmigte Haushalte oder fehlende Haushalsbeschlüsse, zunehmend längere Bearbeitungszeiten bei Projektgenehmigung und –abrechnung, hohe bürokratische Auflagen bei den Nachweisen für die Mittelverwendung. Nun werden alle Förderzusagen überprüft und gegebenenfalls eingeklagt. Diese Einzelverfahren brauchen Zeit, die von der Jugendwerkstatt Bauhof nicht überbrückt werden kann.
Die Jugendwerkstatt Bauhof in den Franckeschen Stiftungen wurde vor 20 Jahren gegründet. Nun steht die fachlich und gesellschaftlich hoch anerkannte Sozialeinrichtung ausgerechnet im Jubiläumsjahr vor dem endgültigen Aus.

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