Insolvenzverwalter aus Halle
Lucas Flöther ist einziger Ostdeutscher in erster Liga

| Halle (Saale) - Mit Air Berlin fliegt Lucas Flöther regelmäßig. Zuletzt vor ein paar Wochen in den Sommerurlaub nach Mallorca. Hoffentlich hat sich der 43-Jährige gut erholt, Dienstagnacht hat er jedenfalls nur zwei bis drei Stunden geschlafen. Der Jurist der Kanzlei Flöther & Wissing aus Halle (Sachsen-Anhalt) wurde zum Sachverwalter der insolventen Fluggesellschaft bestellt. Er soll das Management kontrollieren, damit Air Berlin in der Luft bleibt und möglichst viele der 8.000 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Auf Flöther wartet viel Arbeit, doch das ist er gewohnt.

Flöther ist der einzige Ostdeutsche in der ersten Liga der deutschen Insolvenzverwalter. Seine Kanzlei mit rund 100 Mitarbeitern hat inzwischen mehr als 1.000 Firmeninsolvenzen betreut. Flöther hat früh angefangen. Sein erster Sanierungsfall ist eine kleine traditionsreiche Fleischerei gewesen. Das war 1999, der gebürtige Leipziger, der bereits promoviert hatte, war gerade erst 25 Jahre alt und damit der jüngste Insolvenzverwalter Deutschlands.

Insolvenzverwalter Lucas Flöther aus Halle hat keine Angst vor großen Namen

Flöther versteht sich mehr als Sanierer denn als Abwickler. Bereits zur Jahrtausendwende schrieb er ein Buch zur Eigenverwaltung. Diese ermöglicht Unternehmen in schwierigen Phasen die Sanierung selbst vorzunehmen. So will es nun auch Air Berlin machen. „Eigenverwaltung war für viele deutsche Juristen damals noch ein Fremdwort“, sagt Flöther. Überregional bekannt wurde der Mann mit der randlosen Brille erstmals 2006, als er das Verfahren zur Wohnungsbaugesellschaft „Leipzig West“ betreute. 40.000 Gläubiger waren zuvor um hunderte Millionen Euro geprellt worden.

Flöther ist kein Alpha-Männchen. Er tritt eher zurückhaltend auf, ist gut in der Moderation verschiedener Interessen. Doch in der Sache kann er auch knallhart auftreten. Bei der ersten Insolvenz des Fahrradbauers Mifa aus Sangerhausen lieferte er sich mit dem damaligen Anteilseigner und schillernde Unternehmer Carsten Maschmeyer ein Match, wer bei Mifa das Sagen hat.

„Notarzt“ der Wirtschaft: Guter Ruf der Kanzlei Flöther & Wissing öffnet Türen

Der passionierte Tennisspieler Flöther spielte die Bälle von Maschmeyer hart zurück. Der Ex-Finanzunternehmer trat bei Mifa jedenfalls den Rückzug an. Der Hallenser hat keine Angst vor großen Namen. Bei der noch laufenden Insolvenz des Leipziger Internet-Unternehmens Unister prüft Flöther, durch eine Klage Millionen Euro von Google zurückzufordern.

Sein guter Ruf und beste Kontakte zu Gläubigern wie Großbanken haben ihm nun auch die Tür bei Air Berlin geöffnet. Für seine mittelständische Kanzlei ist die Fluggesellschaft der bisher prominenteste Fall. Flöthers Ehrgeiz Klassenbester zu sein, dürfte besonders geweckt sein. Für Air Berlin kann das nur gut sein. (mz)