Lucas Flöther und Frank Kebekus - Erfahrene Firmenretter

| Zwei der renommiertesten Insolvenzexperten überwachen den
Vorstand von Air Berlin während der Restrukturierung.

Lucas Flöther ist sofort von Halle nach Berlin umgezogen. Seit Dienstag hat er ein Büro am Saatwinkler Damm, wenige Hundert Meter von den Start und Landebahnen des Flughafens Tegel entfernt. An dieser hässlichen, stets verstopften Straße liegt die Zentrale von Air Berlin. Noch. Denn die zweitgrößte deutsche Airline ist insolvent.

Der 43-jährige Lucas Flöther ist Sachwalter im vorläufigen Insolvenzverfahren von Air Berlin. Sachwalter heißt, er prüft im Auftrag des Insolvenzgerichts, ob bei der Insolvenz in Eigenverwaltung der Fluggesellschaft alles korrekt läuft. Und das, sagt Flöther, dürfe man sich auf keinen Fall so vorstellen, als würde ein Feierabenddirektor einmal in der Woche die Akten durchsehen. Derzeit gehen die Gespräche fast rund um die Uhr.

Mit dabei ist immer Frank Kebekus. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt ist dem Air-Berlin-Management als Sanierungsexperte zur Seite gestellt. Und Flöther weiß, was er an Kebekus hat. Der pflegt zwar den rheinischen Humor, lässt sich aber nicht für dumm verkaufen. Wenn ihm Gläubiger Scheinargumente anführen, um ihre Position in einem Insolvenzverfahren unfair zu verbessern, pflegt der 53-Jährige zu fragen, „was die wohl geraucht haben?“ Womit klargestellt ist, wer hier den Durchblick hat.

Flöther und Kebekus sind schon lange eine Art Team. Nicht unbedingt in Insolvenzverfahren, aber auf Berufsebene. Die beiden sind Mitglieder des einflussreichen Gravenbrucher Kreises, ein Zusammenschluss von renommierten Insolvenzverwaltern und Sanierungsfachleuten. Die Rolle des Sprechers hatte Flöther von Kebekus übernommen. Kein neues Gesetz, ohne dass der „Kreis“ um seine Meinung gefragt würde.

Während Kebekus durchaus die Rolle des kantigen Sanierers übernimmt, kommt Flöther eher charmant daher. Der Hallenser Anwalt ist einer, der auch die Öffentlichkeit einbezieht – soweit das ein nicht öffentliches Insolvenzverfahren erlaubt. „Das Berufsbild des Insolvenzverwalters hat sich komplett gewandelt“, sagt er, „wir müssen heute vielmehr moderieren und unterschiedliche Interessen zusammenführen.“ Heute gehe es in einem Insolvenzverfahren eben nicht mehr um Abwicklung eines Unternehmens, sondern darum, so viel wie möglich davon zu retten.

So dürfte nicht zuletzt neben der Fachkompetenz auch seine Verbindlichkeit seine Karriere beflügelt haben. Mit seiner Kanzlei in Halle an der Saale bearbeitete er bekannte Fälle wie die Reiseplattform
Unister oder den ostdeutschen Fahrradhersteller Mifa. Kebekus kann da mithalten. Zuletzt mühte er sich mit der insolventen Textilfirma Steilmann ab. Zu seinem Erfahrungsportfolio zählen inzwischen fast alle Branchen. In der Karstadt-Pleite vertrat er die Interessen des Immobilienkonsortiums Highstreet. Und ließ am Ende auch keine Zweifel daran, was er von dem wieder abgesprungenen Investoren Berggruen hielt: Der werde selbst aus einer zweiten Pleite Profit machen.

Zu seinen Glanzstücken zählt zweifellos der Fall Suhrkamp. Die Gesellschafter des berühmten Habermas- und Handke-Verlags hatten sich heillos zerstritten und die Insolvenz selbst herbeigeführt.
Kebekus gilt als einer der geistigen Väter eines Tricks, mit dem der Gordische Knoten in diesem Fall durchschlagen wurde. Der bestand darin, die Insolvenz zu einer Änderung der Gesellschaftsform von Suhrkamp zu nutzen. Suhrkamp wurde kurzerhand in eine AG umgewandelt, um so den Einstieg eines neuen Investors zu ermöglichen. Bei Air Berlin allerdings wird es mit ein paar Kniffen nicht getan sein.