Mifa ist erneut pleite

| Der Fahrradhersteller Mifa hat Insolvenz angemeldet. Das Land sagt Hilfe zu, auch die Gesellschafter wollen Mifa nicht fallen lassen.

Die anstehende Sanierung will der Fahrradbauer aus eigener Kraft schaffen. Mifa hat dafür am Mittwochvormittag beim Amtsgericht in Halle einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Dabei wird lediglich ein Sachwalter berufen, der die Restrukturierung kontrolliert. Der bisherige Mifa-Geschäftsführer Heinrich von Nathusius war am Dienstag zurückgetreten. Sanierungsexperte Joachim Voigt-Salus führt nun kommissarisch als Geschäftsführer die Geschicke beim Fahrradhersteller aus Sangerhausen (Landkreis Mansfeld-Südharz). „Ich bin guter Dinge“, sagte der Berliner Rechtsanwalt der Volksstimme. Die Eigentümerfamilie von Nathusius werde das Unternehmen weiter unterstützen, so Voigt-Salus.

Erst im Dezember in das neue Werk eingezogen

Das Amtsgericht in Halle entscheidet am Donnerstag, ob ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung zugelassen wird. Als Sachwalter soll der Hallenser Rechtsanwalt Lukas Flöther fungieren, der Mifa bereits bei der ersten Insolvenz im September 2014 betreut hatte. Mifa plant, sich am Donnerstag zum weiteren Vorgehen zu äußern.

500 Mitarbeiter sind derzeit bei Mifa tätig. Erst im Dezember hatte das Unternehmen die Produktion in einem neuen, rund 17 Millionen Euro teuren, Werk aufgenommen. Die erneute Insolvenz ist auch ein Rückschlag für das Land Sachsen-Anhalt, das Mifa bei der Sanierung mit drei Millionen Euro Fördergeld, einem Darlehen und einer Bürgschaft unterstützt hatte. „Der erneute Insolvenzantrag der Mifa trifft die Beschäftigten und die ganze Region hart“, sagte Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD). „Wir werden uns auch weiterhin für Mifa und damit für die Beschäftigten einsetzen – etwa durch Gespräche mit Banken oder die Suche nach potentiellen Investoren“, so der Minister. Die angestrebte Insolvenz in Eigenverwaltung könne ein geeigneter Weg sein, Mifa wieder auf wirtschaftlich gesunde Füße zu stellen, erklärte Willingmann. Gleichzeitig würdigte er das Engagement der Unternehmer-Familie von Nathusius.

Millionenhilfen

Der Automobil-Manager Heinrich von Nathusius hatte Mifa vor zwei Jahren aus der Insolvenz heraus übernommen. Von Nathusius, der zuvor den Haldensleber Automobilzulieferer Ifa Rotorion aufgebaut hatte, glaubte an die Zukunft des Fahrrads. Doch Altlasten störten das Unterfangen. Im Dezember enthüllten Recherchen der Volksstimme finanzielle Schwierigkeiten. Über Monate hatten die Gesellschafter Mifa mit Millionenspritzen zur Seite gestanden – und so das operative Geschäft finanziert. Nach einer erneuten Bitte um Finanzhilfe in der vergangenen Woche drehten einige Gesellschafter den Geldhahn zu und führten Mifa so in die Insolvenz.


Mifa: Vom größten DDR-Fahrradproduzenten zum Sanierungsfall

1907: Gründung als Familiengesellschaft in Sangerhausen.
1950: Mifa wird in der DDR zum Volkseigenen Betrieb. Im ersten Jahr wurden rund 117 000 Fahrräder gebaut.
1984: Das zehnmillionste Fahrrad verlässt das Werk. Pro Jahr werden Ende der 1980er Jahre etwa 450 000 Räder hergestellt.
1990: Nach der Wende übernimmt die Treuhand den Betrieb.
1996: Vorstand Peter Wicht und Geschäftspartner Michael Lehmann übernehmen Mifa.
2004: Mifa geht an die Börse.

April 2014: Finanzielle Probleme werden sichtbar. Mifa verkauft ein Betriebsgrundstück, um frisches Geld zu bekommen. Wenig später fällt wegen Buchungsfehlern in der Bilanz der Verlust deutlich größer aus als angenommen. Für 2013 wird jetzt ein Minus von 13,2 Millionen Euro ausgewiesen, für 2012 sind es 9,9 Millionen.

29. September 2014: Mifa beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung. Zu den Fehlern in der Buchhaltung kommt der gescheiterte Einstieg des indischen Fahrradherstellers Hero Cycles als möglicher Investor.

12. Dezember 2014: Die Unternehmerfamilie von Nathusius kauft den insolventen Fahrradhersteller.

Juni 2016: Baubeginn für ein neues Werk in Sangerhausen.

Dezember 2016: Wenige Tage bevor Mifa die Produktion im neuen Werk aufnimmt, werden durch Recherchen der Volksstimme erneut finanzielle Probleme bekannt.

4. Januar 2017: Mifa stellt erneut einen Insolvenzantrag.