Mifa steht vor der Rettung

| Bei den Mitteldeutschen Fahrradwerken (Mifa) in Sangerhausen zeichnet Rettung ab. Ein Investor will den Traditionsbetrieb kaufen.

Zuletzt sah alles danach aus, als würden die Mitteldeutschen Fahrradwerke in Sangerhausen bald der Geschichte angehören. Die bayerische Unternehmerfamilie Puello war als möglicher Käufer der insolventen Mifa abgesprungen. Insolvenzverwalter Lucas Flöther erklärte unlängst, den Betrieb stillzulegen, wenn sich bis Ende Juni kein Investor findet. Doch seit diesem Mittwoch gibt es neue Hoffnung.

Quasi in letzter Sekunde habe sich ein neuer Investor gemeldet, ließ Flöther mitteilen. Die Verhandlungen seien bereits weit fortgeschritten, würden sich aber noch in den Juli hineinziehen. Wer der Investor ist, wollte Flöther zunächst nicht verraten. Der Bieter habe aber ernsthaftes Interesse. „Er hat selbst nennenswerte Stückzahlen Mifa-Räder bestellt.“ Weiter betonte Flöther: „Wir sind zuversichtlich, in absehbarer Zeit einen Kaufvertrag schließen zu können.“

Eine der größten Hürden für die Mifa-Rettung stellte bislang das Tauziehen um das neu gebaute Fertigungswerk dar. Dies gehört nach wie vor dem früheren Mifa-Inhaber Heinrich von Nathusius. Bis zuletzt wollte er von möglichen Mifa-Investoren rund 17 Millionen Euro für das Werk haben – der Familie Puello war dieser Preis jedoch zu hoch.

Standortfrage bleibt offen

Wie die Volksstimme erfuhr, soll diese Hürde bei den Gesprächen mit dem neuen Investor aber bereits weitgehend abgeräumt worden sein. Ob der Investor nun das neue Werk kauft oder lediglich mietet oder ob er für die Mifa gar einen anderen Standort nutzt, bleibt vorerst offen. Insolvenzverwalter Lucas Flöther wollte sich hierzu nicht äußern.

Die Mifa-Mitarbeiter haben die Nachricht über die neuen Verhandlungen positiv aufgenommen. Es herrsche überwiegend Erleichterung, sagte Michael Perner von der IG Metall der Nachrichtenagentur dpa. Weil die Übernahme der Mifa noch nicht besiegelt ist, will Flöther den verbliebenen  130 Mitarbeitern jedoch „vorsorglich“ kündigen. Das habe aber nur formelle Gründe: Falls der Kauf doch nicht zustande kommen sollte, müsste Mifa die Belegschaft dann nicht über die Kündigungsfrist hinaus bezahlen.

Es bleibt also offen, ob der jahrelange Niedergang der Mifa ein glückliches Ende findet. Einst arbeiteten für den Traditionsbetrieb mehr als 500 Angestellte. Seit der ersten Insolvenz im Jahr 2014 gingen die meisten Arbeitsplätze allerdings verloren.