So rollte Mifa in die Pleite

| Schlangenlinien statt ruhiger Tour! Immer wieder kündigte Mifa Sangerhausen in den vergangenen Monaten die Rückkehr in die Erfolgsspur an. Alles Augenwischerei! Montag musste die Geschäftsführung des Fahrradherstellers Insolvenz anmelden.

Ein harter Schlag für die 600 Mitarbeiter des Traditionsbetriebes. Sie erfuhren erst Montagmorgen – wie auch der Rest der Öffentlichkeit – das bei Mifa gar nichts mehr rund läuft. Morgens gab das Unternehmen überraschend in einer Pflichtmitteilung bekannt, dass ein Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals eingetreten ist. Bereits mittags wurde beim Amtsgericht Halle das Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung beantragt.
Dieser Totalschaden könnte einem Mann teuer zu stehen kommen: Carsten Maschmeyer (55). Der AWD-Gründer stieg vor zwei Jahren als Großaktionär (28 Prozent) bei Mifa ein, investierte 12 Mio. Euro.
Anfang des Jahres kam heraus, dass die Bilanzen nicht stimmten – 2013 gab es allein einen Verlust von 13,2 Mio. Euro. Der Anfang vom Ende!
Den Todesstoß versetzte dem Unternehmen jetzt der indische Fahrrad-Riese „Hero Cycles“, weil die Übernahme platzte. „Trotz intensiver Verhandlungen mit den Verantwortlichen von Hero ist es bislang nicht gelungen, bei einem wesentlichen Bestandteil der Vereinbarung zu einer abschließenden Lösung zu gelangen”, sagte Mifa-Vorstand Stefan Weniger.
Der „wesentliche Bestandteil der Vereinbarung", von dem Weniger spricht, ist ganz einfach: von den 15 Mio. Euro, die die Inder Ende August für 89 Prozent der Mifa-Anteile auf den Tisch legen wollte, floss bislang kein Cent. Stattdessen, so wird im Management befürchtet, hätte „Hero Cycles“ in Sangerhausen Technologie-Spionage betrieben.
Für die Mitarbeiter bleibt nur der schwache Trost: Es wird vorerst weiter produziert. Die Löhne sind für drei Monate durch die Arbeitsagentur abgesichert.
Und der Vorstand sowie die Landesregierung suchen einen neuen Investor. Ob das glückt? Die Aktie von Mifa gab gestern an der Börse um 30 Prozent nach...