Unister schreibt wieder schwarze Zahlen

| Die Travel-Gesellschaften der insolventen Unister-Gruppe sind wieder auf Wachstumskurs. Nur knapp fünf Monate nach den ersten Insolvenzanträgen ist es der Unister-Belegschaft und Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther gemeinsam gelungen, die Unternehmensgruppe zurück in die Gewinnzone zu führen.

Im Geschäftsfeld Touristik (v.a. ab-in-den-urlaub.de) liegt der Umsatz zurzeit nur noch knapp unter Vorjahr – und das trotz deutlich geringeren Marketing-Aufwendung. Dies führt dazu, dass der Deckungsbeitrag sogar über dem Vorjahr liegt und der Geschäftsbereich Gewinne ausweist. Zudem ziehen die Buchungszahlen beim eigenen Veranstalter Urlaubstours konstant an. Aber nicht nur die Kunden halten Uniste die Stange, auch die meisten Veranstalter setzen die Zusammenarbeit fort.

Ähnlich erfreulich ist die Entwicklung im Geschäftsfeld Flüge: Die Flugumsätze verzeichnen einen kontinuierlichen, positiven Wachstumstrend seit dem Insolvenzantrag im Juli 2016. Auch dieser Geschäftsbereich arbeitet profitabel. „Wesentlich für diesen Erfolg ist die Treue unserer Kunden, die Zahl der Wiederbucher ist sehr hoch“, betonte Insolvenzverwalter Flöther heute in Leipzig. „Weiteres Wachstum versprechen wir uns von der verstärkten Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen.“

Unterdessen hat das zuständige Insolvenzgericht Leipzig über die Betriebsgesellschaft des bekannten Reiseportals „ab-in-den-urlaub.de“ – die „ab-in-den-urlaub Betriebsgesellschaft mbH“ – das Insolvenzverfahren eröffnet. Alle der knapp 170 Mitarbeiter werden auch nach Verfahrenseröffnung derzeit weiterbeschäftigt. Und das, obwohl das Unternehmen nach Auslaufen des Insolvenzgeldes die Lohnkosten wieder aus den laufenden Einnahmen bezahlen muss. Auch die Portale von Travel Viva und Flug.de bieten ihre Dienstleistungen  im eröffneten Insolvenzverfahren in vollen Umfang weiter an. Nach wie vor sind über 850 Mitarbeiter bei Unister beschäftigt (Stand Ende Oktober 2016).

„Nach den Insolvenzanträgen Mitte 2016 war die Lage bei Unister äußerst prekär“, ergänzte Flöther. „Dass es nun wieder steil aufwärts geht, ist vor allem den Mitarbeitern zu verdanken. Ohne deren nie nachlassendes Engagement wäre die Entwicklung sicherlich ganz anders verlaufen. Nun aber haben wir die nötige Zeit, alle noch erforderlichen Maßnahmen umzusetzen und damit die bestmögliche Investorenlösung zu erreichen – sowohl im Sinne der Unternehmen, als auch im Sinne der Gläubiger.“

Zurzeit setzt Flöther den begonnenen Restrukturierungskurs der Unister-Gruppe fort. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Neuaufstellung und Sanierung der Gruppe, um einen möglichst hohen Verkaufserlös zu erwirtschaften. Kern der Neuausrichtung ist die Konzentration auf die Sparten Flug und Touristik sowie die Entflechtung der komplexen gruppeninternen Strukturen. Unter anderem haben Flöther und sein Team eine umfassende Restrukturierung der unternehmensinternen Prozesse eingeleitet, etwa bei Cash-Pooling, Abrechnung und Buchführung. Hier soll die Gruppe deutlich transparenter  und leistungsfähiger aufgestellt werden.

Anschließend will der Insolvenzverwalter die Gesellschaften durch Übertragung an Investoren langfristig wieder auf wirtschaftlich solide Füße stellen. Nach wie vor ist eine Reihe von Interessenten für das Unister-Kerngeschäft im Rennen. Ergänzend sollen die Non-Travel-Bereiche ausgegliedert bzw. einzeln an Investoren übertragen werden. Auch hier gibt es eine ganze Reihe von Interessenten. „Unser Ziel ist aber kein schnellstmöglicher Verkauf, sondern ein Verkauf zu den bestmöglichen Konditionen“, unterstrich Flöther abschließend. „Die dafür nötige Zeit haben wir, bis weit in 2017 hinein.“