Wie viel Macht haben Sie, Herr Flöther?

| Ein Sachsen-Anhalter soll Air Berlin retten: Rechtsanwalt Lucas Flöther spricht über seine Aufgaben bei der insolventen Airline.

Lucas Flöther soll als Sachwalter Air Berlin durch das Insolvenzverfahren führen. Mit dem Rechtsanwalt aus Halle sprach Volksstimme-Reporter Dominik Bath.

In welchem Zustand haben Sie Air Berlin vorgefunden?

Lucas Flöther: Entscheidend war sicher, dass der Flugbetrieb noch lief. Das ist gerade bei einer Airline die wichtigste Voraussetzung für eine Fortführung des Unternehmens und damit auch für eine Sanierung. Im Eigenverwaltungsverfahren ist es jetzt die Aufgabe des Managements, das Unternehmen zu stabilisieren. Dabei wird der vorläufige Sachwalter unterstützend tätig. Aus meiner Sicht ist die Anordnung der Eigenverwaltung übrigens ein Zeichen dafür, dass die Gläubiger dem Management bei Air Berlin nach wie vor vertrauen.

Ist diese Insolvenz ein länger geplanter Schritt gewesen?

Alles, was in der Vergangenheit passiert ist, werde ich mir als Sachwalter ansehen. Mein Team und ich schauen natürlich auch in die Bücher des Unternehmens. Momentan geht der Blick aber eher nach vorne.

Wie viel Macht haben Sie als Sachwalter im anstehenden Restrukturierungsprozess?

Ein Sachwalter ist kein klassischer Insolvenzverwalter. Er hat eine Kontroll- und Überwachungsfunktion. Ich befinde mich jetzt mitten im Tagesgeschäft und stimme mich mit dem Management über die Fortführung und die anstehenden Sanierungsmaßnahmen ab.

Sie sollen die Interessen der Gläubiger vertreten. Wie schwierig ist das?

Das ist in jedem Verfahren gleich schwierig. Es gibt viele unterschiedliche Interessen. Da ist Aufgabe und Geschick des Sachwalters, für einen Ausgleich zu sorgen. Die Interessen reichen von den Arbeitnehmern, die ihre Jobs erhalten möchten, bis hin zu Gläubigern, die Sicherheiten bestmöglich verwerten wollen. Diese Gläubiger muss man bei einer Sanierung unter einen Hut bekommen und die beste Lösung für alle finden.

Gibt es denn noch was zu holen bei Air Berlin? Immerhin sollen die Fluglinie mehr als 1,2 Milliarden Euro Schulden plagen.

Genau das prüfen wir gerade. Es geht nicht nur darum, die Fortführungsaussichten unter die Lupe zu nehmen. Als Sachverständiger werde ich für das Insolvenzgericht, das Amtsgericht Charlottenburg, auch ermitteln, ob Insolvenzgründe, nämlich Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung, vorliegen, und welche Befriedigungsaussichten für die Gläubiger bestehen.

Damit der Flugbetrieb weitergehen kann, hat die Bundesregierung 150 Millionen Euro als Hilfskredit zur Verfügung gestellt. Das Darlehen muss bevorzugt bedient werden. Ist das realistisch?

Jedes sogenannte Massedarlehen wird bevorzugt zurückgezahlt. Denn der Gläubiger hat nach Einleitung der Insolvenz nochmal frisches Geld gegeben. Dann muss er sein Geld auch vorab zurückbekommen – wenn es denn zurückzahlbar ist. Diese Dinge werden jetzt durch das Management gerade verhandelt.

Die Bundesregierung hat gesagt, die Hilfe geht nicht zu Lasten der Steuerzahler. Können Sie das bestätigen?

Das müssen wir sehen. Dies zu beurteilen, ist nicht Aufgabe des Sachwalters.

Die EU prüft derzeit die Staatshilfen. Ryanair hatte zuvor kritisiert, die Insolvenz von Air Berlin sei künstlich erzeugt. Wie schätzen Sie das ein?

Die Aufarbeitung der Vergangenheit haben wir noch nicht begonnen.

Lufthansa hat bereits Interesse an Teilen von Air Berlin angekündigt. Sitzen Sie bei den Gesprächen mit Interessenten mit am Tisch?

Der Sachwalter stimmt nach dem Gesetz wesentlichen Rechtshandlungen zu. Insbesondere bei einem Unternehmensverkauf muss der Sachwalter zustimmen und ist deshalb bereits bei Verkaufsverhandlungen eng mit eingebunden.

Wie zuversichtlich sind Sie, Air Berlin als Fluggesellschaft erhalten zu können?

Das ist Gegenstand meines Prüfungsauftrages, der in den nächsten Wochen abzuarbeiten ist.