Bekommt AD Steel Forge wieder Strom?

| 02.01.2012 | Dessau: Die AD Steel Forge GmbH im Dessauer Kabelweg wird ab Dienstag, 11 Uhr, wieder mit Strom beliefert. Das bestätigte am Montag Thomas Zänger, Geschäftsführer der Dessauer Stadtwerke. Zuvor hatte es intensive Verhandlungen mit Dr. Lucas F. Flöther gegeben, einem Rechtsanwalt aus Magdeburg, den das Amtsgericht Dessau-Roßlau am Vormittag als Gutachter im Fall AD Steel Forge GmbH eingesetzt hatte. Er prüft, ob ein Insolvenzverfahren eingeleitet wird. In der Regel wird der Gutachter später auch als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt.

“Der Gutachter hat uns eine akzeptable Summe per Vorkasse in Aussicht gestellt. Trifft die auf unserem Konto ein, wird die Stromlieferung bei der AD Steel Forge GmbH wieder aufgenommen”, erklärte Zänger, der die Entscheidung der Stadtwerke, dem Unternehmen am vorigen Donnerstag Strom und Gas abzudrehen, erneut verteidigte. “Die AD Steel Forge GmbH hat nie pünktlich gezahlt. Wir haben immer Rücksicht genommen auf das Unternehmen und die über 200 Arbeitsplätze. Doch es gab eine Schmerzgrenze, die erreicht war”, sagte Zänger, verwundert darüber, “dass wir uns rechtfertigen müssen und nicht die Unternehmensleitung.” Vor allem durch den plötzlichen Verkauf der AD Steel Forge GmbH im Oktober wäre viel Vertrauen verloren gegangen. “Wir wurden damals darüber nicht informiert.”

Im Unternehmen selbst hatte am Montag, 9 Uhr, eine Betriebsversammlung stattgefunden. “Es waren fast alle 260 Kollegen da”, sagte Betriebsratschef Peter Arnold, der in der Stunde zuvor mit der alten Geschäftsführung zusammengesessen hatte. “Bei Kerzenlicht.” Doch beschaulich ging es nicht zu. “Wir haben vor allem noch einmal über die fehlenden Informationen gesprochen”, sagte Arnold. Die Chefs hätten Fehler eingeräumt. Die Stimmung bei der Betriebsversammlung selbst war angespannt, aber doch ruhig. “Wichtig ist jetzt”, sagte Arnold, “dass es irgendwie weitergeht, dass die Arbeitsplätze gerettet werden.”

Bei der Betriebsversammlung hatte Lucas F. Flöther noch gefehlt. “Da war ich noch nicht als Gutachter bestellt”, entschuldigte sich der Magdeburger Rechtsanwalt, der am zweiten Tag des Jahres im Dauerstress war. “Ich eruiere die Bedingungen, unter denen das Unternehmen den Betrieb aufnehmen und fortführen kann”, sagte Flöther nach unzähligen Telefonaten mit der alten Geschäftsführung, den Banken und den Stadtwerken. “Es geht darum, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden”, sagte der erfahrene Insolvenzverwalter. “Ich bin jetzt in erster Linie als Mediator gefragt.” Zumindest bei den Stadtwerken war Flöther erfolgreich im Einsatz. “Es sieht nicht schlecht aus für das Unternehmen.” Die Wiederaufnahme der Stromlieferung ist dabei wichtig für den Gesamtstandort. Da es vor Ort nur eine Mittelspannungsstation gibt, waren von der Stromabstellung auch Firmen aus dem AD-Geflecht betroffen, die keinen Insolvenzantrag gestellt hatten.

Für Betriebsrat Arnold war die Zusage der Stadtwerke ein Hoffnungsschimmer. “Ich bin gerade dabei, die Kollegen ranzutelefonieren, damit die Produktion wieder anlaufen kann.” Wie schnell das geht, ist offen. “Es ist nicht auszuschließen, dass einige Maschinen durch die plötzliche Stromabschaltung Schaden genommen haben.”