Immobilienvermarktung der Sovello-Hallen beginnt

| Thalheim – Nach der Pleite des Solarunternehmen Sovello im Jahr 2012 ging die Einrichtung über Online-Auktionen fast komplett weg, nun müssen die Hallen neu vermietet werden. Das große Werben hat begonnen. Allein das Grundstück misst 224.000 Quadratmeter.

Aton, mit ihm begann alles. Der Sonnengott stellte nach und nach alle in den Schatten, wurde zum Chef unter den Göttern der Altägypter. Als Durchstarter ist einst auch das Solarunternehmen Sovello angetreten. Heute zeigt sich ein Hauch des Göttlichen im Thalheimer Solar Valley nur noch als Name an Türen zu den Aton-Räumen. Der Vorzeigebetrieb von damals liegt verwaist, die Hallen im gigantischen Gebäudekomplex sind leer geräumt. Nach der Pleite des Solarherstellers 2012 ging die Einrichtung über Online-Auktionen fast komplett weg, nun müssen die Hallen neu vermietet werden. Das große Werben hat begonnen.

Ambitioniertes Ziel
Dort, wo einst Wafer, Zellen und Module produziert wurden, sollen sich mehrere Firmen niederlassen. Entstehen soll ein Branchen-Mix. „Vor allem größere Firmen aus den Bereichen Produktion, Technologie und Logistik kommen in Frage“, sagt Christian Halpick von der bundesweit agierenden Leipziger Immobilienfirma Aengevelt. Diese hat der Insolvenzverwalter beauftragt, das Areal zu vermarkten und zu vermieten. Ein Riesen-Auftrag: Allein das Grundstück ist 224 000 Quadratmeter groß. Darauf stehen zwölf Produktions- und Logistikhallen, die größte mit 5 000 Quadratmetern. Auch Büros auf mehreren Etagen sind zu vermieten.

„Mit einigen Interessenten sind wir schon im Gespräch, darunter ist ein indischer Pharmakonzern“, sagt Halpick. Verpackungsfirmen stünden ebenfalls hoch im Kurs – gewinne doch der Einkauf im Internet rasant an Bedeutung. „Und auch für Export-Firmen ist der Markt noch nicht gesättigt. In der Autobranche sehe ich zum Beispiel Möglichkeiten.“ So hat quasi nebenan der schwäbische Automobilzulieferer HKR Seuffer Automotive einen neuen Standort eröffnet. Aber auch Unternehmen aus dem Kunststoff-Bereich hat man im Auge. Ebenso kommen die Hallen als Lager in Frage. Halpick gibt sich optimistisch und hat einen ambitionierten Zeitrahmen. Zwei Drittel der Fläche sollen bis Ende 2015 vermietet sein. „Sollte sich die Hallen-Nutzung auf Lagerhaltung beschränken, entstehen 40 bis 50 Arbeitsplätze. Lassen sich Firmen aus dem Industriebereich nieder, dann bis zu 350.“ Doch Halpick will nicht nur die großen Fische angeln: In den Seitenriegeln stehen 50 bis 200 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. „Dort könnten kleinere Handwerksbetriebe einziehen.“

Zu Hochzeiten 1 250 Beschäftigte
Das Unternehmen aus Leipzig hat bereits Erfahrung mit Objekten aus der Solarbranche in Thalheim. Halpick hat in den ehemaligen Betriebsgebäuden von Q-Cells an der Guardianstraße eine neue Gewerbeform untergebracht, der Firmen-Mix besteht aus sechs größeren und kleineren Betrieben. Die Flächen sind fast komplett vermietet und 45 neue Arbeitsplätze entstanden. Der weltweit bekannte Büroturm mit dem markanten „Q“ an der Fassade soll bis Ende 2015 belegt sein. „Sovello ist allerdings dreimal größer. Das wird sicher noch einiges an Arbeit bedeuten.“

Der Riesenkomplex entstand in drei Bauabschnitten ab 2005. Drei Werke wurden gebaut. Sie sind zwar miteinander verbunden, stehen aber dennoch getrennt. Jedes hat eigene Rampen und Zufahrten, ist separat an die eigene Haustechnik angeschlossen. Vier Hallen gehörten zu jedem Werk. Im ersten wurden die Wafer, im zweiten die Zellen, im dritten die Module gefertigt. Und in den Aton-Räumen bekamen die Zellen ihre blaue Antireflexionsschicht. Zu Hochzeiten waren 1 250 Leute beschäftigt, in drei Schichten rund um die Uhr. „Sovello – Energie der Zukunft“, steht noch am Empfang des Bürokomplexes. Selbst nach dem Bau der drei Werke sollte es weitergehen. Auf der Brachfläche dahinter waren neue Gebäude geplant und sogar schon die Verbindungstüren auf den Fluren angelegt – sie führen längst ins Nichts.

Firmen suchen freie Flächen
Heute hängen noch vereinzelt Jacken über den Stühlen – der Rest der Mannschaft kümmert sich um die Abwicklung. Über Monate waren Mitarbeiter damit beschäftigt, Chemikalien zu entsorgen und die Technik abzubauen. Sogar die Pflanzen wurden abtransportiert. Die endlosen, bis zu 700 Meter langen Gänge sind menschenleer.

Doch die zentrale Lage, Verkehrsanbindung, Infrastruktur, aber auch die Qualität der modernen Industriehallen – das seien gute Argumente für neue Mieter am Standort, sagt Halpick. Und nach wie vor seien die Kapazitäten an freien Flächen für Firmen beispielsweise in Leipzig und Halle fast ausgeschöpft. „Neu gebaut wird wegen der schwierigen bis unmöglichen Finanzierung kaum. Die Nachfrage ist anhaltend hoch. Deshalb sind solche freigewordenen modernen Flächen wie die von Sovello ein Glücksfall.“

Aengevelt verschickt nun Exposés an Unternehmen, stellt das Objekt auf verschiedenen Messen vor. Es ist in diversen Internetportalen zu finden, und auch Wirtschaftsförderungen sind eingebunden. Die Büroflächen auf 7 200 Quadratmetern dürften jedoch nicht ohne weiteres an den Mann zu bringen sein. Bereits im Q-Park läuft die Vermietung schleppend. Und so besteht für den markanten Büroturm von Sovello auch eine recht ungewöhnliche Idee: Ein Hotel vor allem für Geschäftsreisende daraus zu machen – mit Check-In-Automaten und ohne großen Schnickschnack.