Insolvenzverfahren für SG Sachsen denkbar
– seit 2011 keine ordentliche Buchhaltung

| Leipzig – Die zahlungsunfähige SG Sachsen Leipzig kann sich offenbar Hoffnungen auf Eröffnung eines Entschuldungsverfahrens machen. Wie es am Donnerstag vom vorläufigen Insolvenzverwalter hieß, liege ein entsprechend positives Gutachten über den Zustand des Landesligisten in den letzten Zügen. Ob der Spielbetrieb beim Verein weitergeführt werden kann, sei noch offen, so ein Sprecher der zuständigen Rechtanwaltskanzlei Flöther & Wissing. Aus dem Alfred-Kunze-Sportpark muss sich die SG Sachsen aber wohl verabschieden.

Laut des Gutachtens ließen sich die Kosten einer angestrebten Entschuldung durch Anfechtungsansprüche decken. Innerhalb eines Insolvenzverfahrens sei es möglich, gegen Gläubiger vorzugehen, die bereits Schuldsummen eingefordert hätten, so der Kanzleisprecher. Zudem müssten auch Ansprüche gegenüber Dritten geprüft werden. Dabei könnten auch die richterlichen Urteile im Leutzscher Betriebskostenstreit mit der BSG Chemie Leipzig noch einmal auf den Prüfstand kommen, hieß es.

Ob das Insolvenzverfahren allerdings tatsächlich eröffnet wird, hängt noch von der Entscheidung der Justiz ab. In der kommenden Woche soll das Gutachten der Kanzlei Flöther & Wissing dem Amtsgericht übergeben werden. Die Richter werden dann voraussichtlich bis Ende des Monats über das weitere Vorgehen entscheiden.

Landesligateam und eine Jugendmannschaft sollen gerettet werden

Über die Höhe der aufgelaufenen Verbindlichkeiten wurden am Donnerstag keine Angaben gemacht. Die Sichtung der entsprechenden Unterlagen sei schwierig gewesen, hieß es.  „Seit Mitte 2011 hat bei der SG Sachsen praktisch keine buchhalterische Auswertung stattgefunden, gibt es keine Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen“, so der Kanzleisprecher weiter. Ein Steuerbüro sei damit zwar beauftragt gewesen. Weil dieses aber nicht bezahlt wurde, gab es nach 2011 bei der SG Sachsen letztlich keine ordentliche Buchhaltung mehr.

Der Vereinsvorstand bemühe sich weiter intensiv um das Weiterbestehen der SGS, so die vorläufigen Insolvenzverwalter. Dabei ist offenbar auch die Landesliga-Mannschaft der SG Sachsen für die kommende Spielzeit gemeldet worden. Ebenso gebe es Verhandlungen über den Weiterbestand einer der Sachsen-Jugendmannschaften.

Dass beide Teams auch künftig im Alfred-Kunze Sportpark trainieren und spielen werden, sei allerdings nahezu ausgeschlossen. „Es gibt keinerlei  Anzeichen dafür, dass der Verein die Kosten dafür tragen könnte“, so der Kanzleisprecher weiter. Zudem habe die Stadtverwaltung mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens ohnehin das Recht, den Pachtvertrag zu beenden.

Anfang Juni hatte die Kommune bereits Untermieter BSG Chemie Leipzig aufgefordert, ein Nutzungskonzept aufzustellen. Zuvor erklärte Sportamtschefin Kerstin Kirmes das bisherige Zweinutzermodel mit SG Sachsen und BSG Chemie als gescheitert.