Klinikum Burgenlandkreis wird von SRH übernommen

| Naumburg | Das gemeinnützige Bildungs- und Gesundheitsunternehmen SRH erwirbt die Klinikum Burgenlandkreis GmbH. Zu dem Kaufpaket gehören die beiden Krankenhäuser mit insgesamt 751 Betten in Naumburg und Zeitz sowie Medizinische Versorgungszentren und eine Servicegesellschaft. Die Bildungs- und Kooperationsgesellschaft übernimmt der Landkreis.

„Dies ist ein wichtiges Signal insbesondere für die Mitarbeiter und Patienten. Es freut uns sehr, dass unsere Mitarbeiter trotz der schwierigen Situation die Patientenversorgung mit viel Engagement und in gewohnt hoher Qualität fortgeführt haben und wir das Insolvenzverfahren zu diesem positiven Ergebnis führen konnten,“ so Sanierungsgeschäftsführer Dr. Arne Berndt (WMC Healthcare). „Das Klinikum Burgenlandkreis hat einen großen Schritt nach vorne gemacht. Mit SRH gibt es nun einen zukünftigen Eigentümer, der den beiden Klinikstandorten eine positive Perspektive bietet“, erklärt Sanierungsexperte Dr. Rainer Eckert. Zusammen mit Dr. Mark Boddenberg (beide ECKERT Rechtsanwälte) leitet er die Eigenverwaltung.

Die Klinikum Burgenlandkreis GmbH versorgt mit rund 1.230 Mitarbeitern jährlich etwa 68.000 Patienten. Die beiden Kliniken in Naumburg und Zeitz bleiben erhalten. „Wir wollen dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung für die Bürger im ländlichen Raum in Sachsen-Anhalt nachhaltig zu sichern. Dabei arbeiten wir eng mit dem Landkreis, dem ehemaligen Gesellschafter der Kliniken, zusammen. Außerdem streben wir Kooperationen mit Universitätskliniken an“, so der Vorstandsvorsitzende der SRH, Prof. Dr. Christof Hettich.

„Es freut mich, dass wir mit SRH einen langfristig denkenden und nachhaltig handelnden Partner gewinnen konnten. Diese Investorenlösung ist darüber hinaus ein sehr erfreuliches Ergebnis für die Gläubiger“, so Sachwalter Prof. Lucas Flöther (Flöther & Wissing).

Die beiden Kliniken werden umgehend in den SRH Verbund integriert, um fachliche Synergien und wirtschaftliche Effekte zu erreichen. „Die Stellen im Ärztlichen Dienst und in der Pflege bleiben erhalten und werden mittelfristig sogar ausgebaut. Gleichwohl sind personelle Veränderungen erforderlich, die wir gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern klären werden“, sagte Werner Stalla, Geschäftsführer der SRH Kliniken GmbH. Weitere Maßnahmen werden geprüft, um die Krankenhausstandorte weiterzuentwickeln.

Am gestrigen 29. Januar sind die Verträge notariell beurkundet worden. Zuvor hatte der Gläubigerausschuss dem entsprechenden Vorschlag der Eigenverwaltung und des Sachwalters einstimmig zugestimmt. Die Entscheidung wurde unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten - Mitarbeiter, Gläubiger, Politik - getroffen. In einigen Wochen steht noch die Zustimmung der Gläubigerversammlung zum Insolvenzplan an, der die Übertragung der Anteile an SRH vorsieht. Dafür wird dann eine weitere Versammlung Anfang März erforderlich sein, deren Termin noch mit dem Insolvenzgericht abzustimmen ist. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Der Sanierungsgeschäftsführer Dr. Berndt und sein Team von WMC Healthcare, einer auf den Gesundheitsbereich spezialisierten Unternehmensberatung, sowie die Eigenverwaltung um die Sanierungsexperten Dr. Eckert und Dr. Boddenberg von der Kanzlei ECKERT, die eine besondere Expertise u.a. bei der Sanierung von Krankenhausträgern besitzt, werden nun in Abstimmung mit SRH die Insolvenzpläne kurzfristig bei Gericht einreichen. Die Entscheidung über die Annahme der Insolvenzpläne bleibt den Gläubigern vorbehalten, die in einer Gläubigerversammlung über die Insolvenzpläne abzustimmen haben. Nach Zustimmung durch die Gläubiger und Umsetzung der Insolvenzpläne kann das Insolvenzverfahren voraussichtlich Ende März 2020 aufgehoben werden.

Als Stiftungsunternehmen verknüpft die SRH soziale Verantwortung mit unternehmerischem Handeln und positioniert sich als zuverlässiger Partner für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung. Mit dem Kauf der Klinikum Burgenlandkreis GmbH baut die SRH ihre Position als großer Krankenhausträger in Mitteldeutschland mit nun sieben Kliniken und 28 Medizinischen Versorgungszentren aus. Bundesweit betreibt die SRH künftig 16 Kliniken und 33 Medizinische Versorgungszentren und betreut 1,2 Millionen Patienten pro Jahr.

Am 17. September 2019 hatten die Klinikum Burgenlandkreis GmbH einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens und Anordnung der Eigenverwaltung gestellt. Mit Beschluss vom 1. Dezember 2019 hat das Amtsgericht Halle das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Gesellschaft antragsgemäß eröffnet, die Eigenverwaltung angeordnet und Rechtsanwalt Prof. Lucas Flöther zum Sachwalter bestellt.


Über die Klinikum Burgenlandkreis GmbH
Die Klinikum Burgenlandkreis GmbH mit ihren Standorten Saale-Unstrut Klinikum Naumburg und Georgius-Agricola Klinikum Zeitz liegt im Süden von Sachsen-Anhalt. Das Krankenhaus der Basisversorgung ist Akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Jena sowie der Universität Leipzig. Das Klinikum ist regionaler Gesundheitsversorger und behandelt jährlich ca. 26.000 stationäre und ca. 41.000 ambulante Patienten. Das Unternehmen ist einer der größten Arbeitgeber der Region.

SRH Bildung & Gesundheit
Die SRH ist ein führender Anbieter von Bildungs- und Gesundheitsdienstleistungen. Sie betreibt private Hochschulen, Bildungszentren, Schulen und Krankenhäuser. Mit 14.500 Mitarbeitern betreut die SRH mehr als 1,1 Millionen Bildungskunden und Patienten im Jahr und erwirtschaftet einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Dachgesellschaft ist die SRH Holding (SdbR), eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Heidelberg. Ziel der SRH ist es, die Lebensqualität und die Lebenschancen ihrer Kunden zu verbessern.

Über ECKERT Rechtsanwälte
Eckert Rechtsanwälte mit Hauptsitz in Hannover gehört zu den führenden deutschen Restrukturierungs- und Insolvenzkanzleien. Die Spezialisten der Sozietät sind sowohl beratend auf Unternehmensseite als auch als Insolvenzverwalter, Sachwalter und Zwangsverwalter tätig. Besondere Expertise besteht u.a. bei der Sanierung von Krankenhausträgern. Dazu zählen die „Arbeiterwohlfahrt Gesundheitsdienste Gesellschaft mbH“, die Klinikgruppe Josef-Hospital in Delmenhorst sowie die Paracelsus-Klinikgruppe, mit mehreren Einzelgesellschaften und 24 Klinikstandorten eine der größten Konzerninsolvenzen der letzten Jahre.

Über WMC Healthcare
WMC Healthcare Gruppe ist mit mehr als 120 Mitarbeitern die größte auf das Gesundheitswesen spezialisierte Unternehmensberatung in Deutschland. Zu den Kernkompetenzen der Gruppe zählt die Entwicklung von tragfähigen Zukunftskonzepten für Krankenhäuser auch bei schwierigen wirtschaftlichen Situationen. Dabei bieten die Berater sowohl die Begleitung von Sanierungsprozessen und Insolvenzen als auch die strategische Neuausrichtung an.