Machtkampf bei Mifa

| Beim insolventen Fahrrad-Hersteller Mifa aus Sangerhausen überschlagen sich die Ereignisse: Gestern morgen teilte das Unternehmen mit, dass der Aufsichtsrat den Sanierungsexperten Stefan Weniger mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand abberufen hat. Thomas Mayer, der erst seit dem 1. Oktober im Betrieb ist, werde Alleinvorstand. Daraufhin traf sich gestern am Flughafen Leipzig/Halle der Gläubigerausschuss zu einer Krisensitzung. Am Nachmittag teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther mit, dass er „ab sofort alle Geschäftsaufgaben des Vorstandes in Alleinregie“ übernimmt. Mayer habe keine operative Rolle mehr. Er darf sich weiter Vorstand nennen, wurde de facto aber vor die Tür gesetzt. Dagegen soll Ex-Vorstand Weniger Flöther künftig beraten.

Beim größten deutschen Fahrrad-Hersteller ist es damit zum offenen Machtkampf gekommen. Auf der einen Seite stehen Großaktionär Carsten Maschmeyer, Aufsichtsrat Utz Claassen und Vorstandschef Thomas Mayer (Claassen und Mayer kennen sich aus der Zeit bei Solar Millennium), auf der anderen die Gläubiger, dies sind unter anderem die Anleihebesitzer und Banken, und Flöther.

Und so kam es zu dem Zerwürfnis: Nachdem der indische Investor Hero Cycles, der die angeschlagene Mifa übernehmen wollte, abgesprungen war, musste das Unternehmen Anfang letzter Woche Insolvenz anmelden. Diese sollte in Eigenverwaltung stattfinden. Das heißt, das Management sollte die Sanierung und Investorensuche weiter eigenständig vorantreiben. Das Amtsgericht Halle stellte der Führung den halleschen Rechtsanwalt Lucas Flöther als Sachverwalter zur Seite. Der Mifa-Aufsichtsrat verlangte vom Management, dass alle wichtigen Entscheidungen nur mit dessen Zustimmung getätigt werden. Doch das Konstrukt hielt nur wenige Tage.

Der Gläubigerausschuss von Mifa sprach sich einstimmig für den Wechsel in eine vorläufige Insolvenz aus. Das Amtsgericht Halle bestellte Flöther daraufhin zum vorläufigen Insolvenzverwalter - er ist nun der starke Mann im Haus. Die Gläubiger haben offenbar jedes Vertrauen in die Eigentümer und den Aufsichtsrat verloren. Durch bis heute ungeklärte Bilanzfehler rutschte Mifa in die Krise. Wieso der Verkauf an Hero letztendlich scheiterte, ist auch nicht genau geklärt. Vielmehr wurde Hero von Eigentümerseite Industriespionage vorgeworfen. Warum der bisher geschätzte Vorstand Weniger gestern abberufen wurde, darauf konnte ein Mifa-Sprecher keine Antwort geben. Sowohl Maschmeyer als auch Claassen waren auf MZ-Anfrage nicht erreichbar. Bisher betonte Maschmeyer stets, am Wohl der Firma und der Mitarbeiter interessiert zu sein. „Doch durch die Ereignisse der vergangenen Tage wird das Vertrauen von Kunden, Zulieferern und Beschäftigten eher erschüttert als gestärkt“, heißt es aus Unternehmenskreisen. Was Maschmeyer und Claassen wollen, darüber kann nur spekuliert werden. Offenbar haben sie mit der Pleite noch nicht mit dem Kapitel Mifa abgeschlossen. Doch sollte Maschmeyer beabsichtigen, Mifa am Ende selbst zu erwerben oder Anteilseigner zu bleiben, könnte er das doch offen kommunizieren.

Dass sich Flöther durch den Aufsichtsrat einschüchtern lässt, ist nicht zu erwarten. Er gehört zu den renommiertesten Insolvenzverwaltern Deutschlands, seine Kanzlei ist die größte Ostdeutschlands. Als Verwalter will er die Sanierung „nahtlos fortsetzen“. „Mein oberstes Ziel ist weiter der Erhalt des Unternehmens und möglichst vieler Arbeitsplätze“, teilte er gestern mit. Dazu sucht er einen Investor. Interessenten gibt es bereits.