Produktion kommt nur langsam in Gang

| 04.01.2012 | Dessau: Die Wiederaufnahme der Produktion bei der AD Steel Forge im Dessauer Kabelweg stockt. “Die ersten Maschinen laufen. Aber die Produktion hat noch längst nicht wieder das Niveau, das sie vor der Abschaltung von Strom und Gas hatte”, sagt Hubert Immesberger, der neu eingesetzte Sprecher für die AD-Industry-Group und damit auch für den insolventen Dessauer Maschinenbauer. Größtes Problem ist derzeit noch die Heizung: Vor der Inbetriebnahme ist eine Druckprüfung notwendig, für die derzeit noch eine Firma gesucht wird. “Viele Unternehmen sind durch den Feiertag am Freitag noch im Urlaub”, sagte Immesberger. “Das wird wahrscheinlich erst nächste Woche etwas werden.”

Bis dahin stehen zahlreiche weitere Gespräche an. Lucas Flöther, der vom Amtsgericht Dessau-Roßlau eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter verhandelte am Mittwoch mit den Banken, die neben den Dessauer Stadtwerken am meisten gefragt sind, wenn es darum geht, der AD Steel Forge mit ihren 148 Mitarbeitern eine Perspektive zu geben. Ende Dezember hatte die Hypo Alpe Adria mit Sitz im österreichischen Klagenfurt Kredite der AD Steel Forge fällig gestellt – und damit den Insolvenzantrag ausgelöst. Mit am Tisch bei der Bankenrunde war nach MZ-Informationen auch die Stadtsparkasse Dessau. Konrad Dormeier, Vorstandschef der Stadtsparkasse, wollte das nicht kommentieren. “Zu unseren Kreditnehmern geben wir aus grundsätzlichen Erwägungen keine Auskünfte.”

Allerdings ist die Stadtsparkasse Dessau am Donnerstag, 9 Uhr, auch bei einer Beratung im Dessauer Rathaus dabei, die Joachim Hantusch, der Dezernent für Wirtschaft und Stadtentwicklung, initiiert hat. Neben der Stadtspitze und dem Vorstand der Stadtsparkasse sind dazu auch die beiden Geschäftsführer der Dessauer Stadtwerke geladen, bei der die AD Steel Forge allein Außenstände in Höhe von etwa einer Million Euro hat.

“Es geht uns um die Sicherung der insgesamt 260 Arbeitsplätze. Das hat oberstes Prinzip”, erklärte Hantusch. Klares Ziel sei es, die Funktionsfähigkeit der AD Steel Forge zu sichern, bis eine Fortführungsprognose des Insolvenzverwalters vorliege.

“Es geht uns aber auch darum, eine Risikofolgeabschätzung für die Stadt zu machen”, sagte Hantusch. Man müsse die Stadt als Gesamtkonzern betrachten – und müsse deshalb die Außenstände der Stadtwerke, die Kreditlinien der Stadtsparkasse und die offenen Gewerbesteuerforderungen bei der Stadt im Zusammenhang sehen. “Wir brauchen Klarheit, wie hoch die Verpflichtungen gegenüber der Stadt insgesamt sind”, forderte Hantusch. Es gehe hier um Steuergelder. “Politiker und Bürger haben ein Anrecht darauf, voll informiert zu werden.”