Retten, was zu retten ist

| 02.08.2012 | Bitterfeld-Wolfen – Das Amtsgericht Dessau-Roßlau machte es kurz: Die Richter lehnten gestern einen Antrag des Sovello-Managements ab, einen Neustart weiter auf eigene Faust zu versuchen. Die Sanierung des Solarmodul-Herstellers aus Bitterfeld-Wolfen in sogenannter Eigenverwaltung ist damit gescheitert. Das Gericht eröffnete ein reguläres Insolvenzverfahren. Ein Gutachter habe die Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung des Unternehmens festgestellt, teilte ein Sprecher mit. Als Insolvenzverwalter wurde der hallesche Rechtsanwalt Lucas Flöther bestellt (siehe: „Führender Insolvenzverwalter“).

Land stellt Hilfe ein

Seit gestern Mittag ist Flöther mit 20 Mitarbeitern in der Sovello-Zentrale aktiv. “Wir müssen uns zunächst einen Überblick verschaffen”, sagte Flöther der MZ. Bereits am Abend sollte es ein Treffen mit dem Gläubigerausschuss und dem Betriebsrat geben. Noch in dieser Woche will sich Flöther zudem den Beschäftigten vorstellen.

Diese sind tief verunsichert. Mitte Mai stellte Sovello wegen Liquiditätsproblemen den Insolvenzantrag in Eigenverwaltung. Die Sovello-Führung hielt das Ruder damit weiter in der Hand. Ihr wurde nur ein sogenannter Sachverwalter beiseite gestellt. Unternehmenschef Reiner Beutel sprach zwar von einer schwierigen Situation, zeigte sich aber überzeugt, schnell einen Investor zu finden. Das Sanierungskonzept sieht vor, dass 500 Beschäftigte in einer Transfergesellschaft wechseln und Sovello mit 500 Mitarbeitern weiterarbeitet. Dafür stehe ein namentlich nicht genanter chinesischer Investor bereit. Am Montag kündigte die Landesregierung als größter Gläubiger des Unternehmens allerdings an, ihre Hilfsbemühungen einzustellen. Das Magdeburger Wirtschaftsministerium befürchtet, dass fast die gesamte Produktion nach China verlagert und der hiesige Standort mittelfristig aufgegeben wird. Beutel stritt dies ab, lag mit dem wichtigsten Gläubiger damit aber über Kreuz.

Nun soll Flöther retten, was zu retten ist: “Ich werde prüfen, ob der laufende Verkaufsprozess fortgeführt wird.” Zudem will der 38-Jährige mit dem Land sprechen, ob es nach der Entmachtung der Sovello-Führung doch noch für eventuelle Hilfen bereit steht. Die Zeit wird knapp. Die Kasse des Unternehmens ist offenbar leer. Doch ohne Barmittel lässt sich die Produktion kaum aufrechterhalten.

Kern des “Solar Valley”
Neben dem ebenfalls insolventen Solarkonzern Q-Cells mit noch 1 900 Mitarbeitern bildet Sovello den Kern des “Solar Valley” am Rande von Bitterfeld-Wolfen. Würde das Unternehmen verschwinden, hätte dies auch Auswirkungen auf viele Zulieferer etwa aus der Glasindustrie.

Sovello hatte sich in der Solarkrise lange Zeit wacker geschlagen. Das Unternehmen produziert Wafer, Solarzellen und Solarmodule unter einem Dach. Die dazu verwendete String-Ribbon-Technologie benötigt 50 Prozent weniger des teuren Rohstoffes Silizium als herkömmliche Verfahren. Dadurch ist eine kostengünstigere Produktion möglich – ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz.