Zukunft in Sicht?

| 28.02.2012 | DESSAU-ROSSLAU – Für die AD Industry Group soll am Mittwoch das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet werden. Dies wird Rechtsanwalt Lucas Flöther, bislang vorläufiger Insolvenzverwalter der 260 Mitarbeiter zählenden Firmengruppe, dem Amtsgericht Dessau-Roßlau empfehlen. Es ist der wichtigste Schritt, um dem Unternehmen eine Zukunft zu geben. Flöther schloss am Dienstag die Arbeit an den sechs Gutachten für die sechs AD-Firmen ab. “Es ist möglich, die Firmengruppe zu erhalten”, sagte Flöther. Zu dieser zählen die operativ tätigen AD Steel Forge GmbH, die Euro-Guss GmbH und die AAWIK Kranbau GmbH sowie die LOR Verwaltungsgesellschaft, die K & H Verwaltungsgesellschaft sowie die AD Industriepark GmbH.

Die AD Industrie Group hatte Ende Dezember 2011 einen Insolvenzantrag gestellt. Kurz zuvor hatten die Banken Kredite fällig gestellt und die Dessauer Stadtwerke die Lieferung von Strom und Gas gestoppt. Allein dort hat die AD Industry Group Außenstände in siebenstelliger Höhe. Mit Folgen: Dessaus Stadtwerke hatten für 2011 bei einem Umsatz von 180 Millionen Euro ein Ergebnis von 3,8 Millionen Euro angestrebt. Dieses Plus wird sich nun auf 2,8 Millionen Euro verringern.

Die Suche nach einem neuen Investor steht vor dem Abschluss. Den Kreis hat Flöther nach eigenen Angaben auf vier bis fünf ernsthafte Interessenten eingegrenzt – mit Manfred Utzig ist der Mann dabei, der im September vorigen Jahres als neuer Geschäftsführer in die AD Steel Forge eingestiegen ist und drei Monate später die Insolvenz anmelden musste.

Schon der Verkauf der AD Steel Forge im September war von vielen Spekulationen begleitet, da das Gesellschaftergeflecht der AD-Gruppe stets unklar blieb. Die Stadtwerke haben die Insolvenz erst in dieser Woche wieder als “fragwürdig” bezeichnet. Dass Utzig sich nun mit neuen Investoren erneut um das Unternehmen bemüht, dürfte die Spekulationen nicht abreißen lassen. Flöther will das nicht bewerten. “Die Kauf-Offerten werden ergebnis-offen geprüft.” Klar sei aber: Eine Sanierung des Unternehmens sei ohne das Insolvenzverfahren nicht möglich.

Der Verkauf der AD Industry Group soll spätestens zum 1. April erfolgen, möglicherweise sogar noch früher. Die Eile hat einen Grund: Das Insolvenzausfallgeld für die Mitarbeiter wird nur drei Monate gezahlt. Im konkreten Fall übernahm die Agentur für Arbeit die Löhne für Januar, Februar und März. Ab 1. April muss der Insolvenzverwalter dieses Geld aus der Masse entnehmen. “Ich kann dies verantworten”, sagte Flöther. Zumindest in diesem Monat seien die Arbeitsplätze noch gesichert. Was danach passiert, ist offen. Der vorläufige Insolvenzverwalter räumte gegenüber der MZ ein, dass man zwar noch mit der Abarbeitung alter Aufträge zu tun habe, in den vergangenen drei Monaten aber kaum neue Aufträge akquirieren konnte. Im operativen Geschäft schreibe man Verluste.

Wer am Ende den Zuschlag für die AD Industry Group erhält, ob die Gruppe insgesamt verkauft wird oder nicht, darüber soll ein vorläufiger Gläubigerausschuss mitentscheiden, dessen Bildung Flöther beim Amtsgericht beantragen will. Dort sind neben den wichtigsten Gläubigern auch Arbeitnehmervertreter Mitglied.